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Paul Goodman

HOKKU FOR ME
In the bright twilight
the branches in silhouette
of my maple trees

my murky old mind
is growing blank for the facts
are impractical

nothing happening
to know in this world I doze
like a wooden post

the colorless moon
illumines the fieldflowers
with colorless truth.
Paul Goodman

HOKKU FÜR MICH
im hellen Dämmerlicht
die Zweige meiner Ahornbäume
als Silhouette

mein trüber alter Geist
wird gänzlich klar weil
die Fakten nutzlos sind

nichts geschieht auf dieser Welt
dass sich zu wissen lohnt ich döse
wie ein hölzerner Pfosten

der farblose Mond
erleuchtet die Feldblumen
mit farbloser Wahrheit.
Nachdichtung Marie T. Martin

The Young Disciple
Text: Paul Goodman
Leitung und Ausstattung: Julian Beck
Choreographie: Merce Cunningham
Musik: Pierre Schaeffer in Zusammenarbeit mit Pierre Henry und Ned Rorem
Uraufführung: The Living Theatre, 12. Oktober 1955

The Cave at Machpelah
Text: Paul Goodman
Regie und Design: Julian Beck
Tänze von Merce Cunningham
Uraufführung: The Living Theatre, 11. Juni 1959
Die »Gewaltlosigkeit« der dogmatischen Pazifisten ist unnatürlich und sogar irgendwie bösartig, obwohl sie, wie Gandhi meinte, eine positive Ausgeburt der Liebe darstelle, die den Zorn wegbrennt, und auch des Verstehens, das erleuchtet. Für mich ist das, was im Allgemeinen als »Gewaltlosigkeit« gilt, ein gehässiger Vorwand, um Schuldgefühle zu verschärfen. Zorn ist schließlich verbindend; und es scheint falsch, Zorn nicht durchgehen und zuschlagen zu lassen. Es ist interessant zu sehen, wie gewöhnlich der eine Schlag oder Schlagabtausch unter vernünftigen Menschen der letzte ist, da er die Kommunikation wiederhergestellt hat. Aber die Menschen stolpern auch unbekümmert in den Krieg, wo es keine Möglichkeit zur Kommunikation und kein Ende gibt.

Paul Goodman, 1962
Ich bin zu diesem Schluss gekommen: Wie Luther, doch nicht wie Hegel oder Marx, denke ich, dass der Weg, die Entfremdung zu überwinden, darin besteht, daheim zu bleiben und sich nicht auf eine Reise durch die Geschichte und durch die Sphären des Daseins zu begeben. Es ist anderer­seits auch wahr, dass selbst derjenige, der den »steinigen Weg« geht, abkommen wird, sich dabei jedoch keiner Verfehlung schuldig macht.

Paul Goodman, 1972
Sally's smile (00:51)

Sara has smiled upon me such a smile.
that caution and impatience both my wardens
are flung into the winds that mile on mile
pour northward from the Miami gardens.

where my dead mother lies and red the rose
and the hibiscus bloom, but there is no
fancy to me more fair and dear in those
distances than the presence of Sally-O.

Ned Rorem Selected Songs
Carole Fareley, soprano
Ned Rorem, piano

Gelegentlich fasse ich mein Programm in die Frage: »Wie kann man Kultur besitzen, ohne die Natur zu verlieren?«
In dem Buch »Gestalt Therapy« gehe ich die gestellte Frage folgendermaßen an: Wenn wir uns einem Wesen gegenüber sehen, das sich bewegt, ständig Neues sieht und mit seinen Problemen fertig werden muss, bedarf es jederzeitiger schöpferischer Anpassungen. Es muss das Dienliche vom Undienlichen scheiden, Initiative ergreifen, verändern, um das Neue der Umwelt an sich anzupassen und um das zu entfernen, was das lebensfähige Gleichgewicht stören würde. Solche Anpassung ist notwendig, weil sich das Vermögen, zu leben, nur in der Umwelt aktualisieren kann. Die Umwelt ­ihrerseits muss für die aktive Anpassung zugänglich sein; sie muss plastisch für die Veränderung sein, und es muss interessant sein, sie zu erkunden. Der Abgrund, in den du stürzt, ist nicht deine Umwelt.
Paul Goodman, 1972
Der Anarchismus ist tatsächlich nicht notwendig sozialistisch im Sinne der Forderung nach Gemeineigentum. Das kommt drauf an. Konzerngesteuerter Kapitalismus, Staatskapitalismus und Staatskommunismus sind alle inakzeptabel, weil sie die Leute knebeln, ausbeuten und herumschubsen. Reiner Kommunismus, der freiwillige Arbeit und freie Verteilung meint, sagt vielen Anarchisten zu. Aber auch Adam Smiths Ökonomie ist, in ihrer reinen Form, anarchistisch und wurde zu seiner Zeit so genannt. Und ebenso kling Jeffersons agrarische Auffassung anarchistisch, dass ein Mensch die Mittel zu seiner Bedürfnisbefriedigung kontrollieren können muss, um frei von überwältigendem Druck zu sein. Allen anarchistischen Gedanken unterliegt ein Verlangen nach bäuerlicher Unabhängigkeit, nach Selbstverwaltung der Handwerkergilden und nach der Demokratie der mittelalterlichen freien Städte. Natürlich ist es eine Frage, wie das alles unter den Bedingungen der modernen Technik und Urbanität erreicht werden kann. Meiner Meinung nach könnten wir viel weiter gehen, als es uns scheint, wenn wir unseren Blick auf Bescheidenheit und Freiheit richten anstatt auf täuschende »Größe« und suburbanen »Überfluss«.

Paul Goodman, 1968
Die warme, lustvolle (und aufgebrachte) Zerstörung bestehender Gestalten in persönlichen Beziehungen ist oft zu gegen­seitigem Vorteil und mündet in Liebe. […] Wenn es für zwei Menschen wirklich zum Vorteil ist, dass sie sich verbinden, dann ist die Zerstörung des miteinander Unvereinbaren, das sie mitbringen, ein Schritt auf ihr tieferes Selbst zu – das sich in der kommenden neuen Gestalt verwirklicht. […] Unsere fehlende Bereitschaft, dies zu wagen, folgt wohl aus der Furcht, nichts mehr zu haben, wenn wir die Zerstörung des oberflächlichen Selbst zulassen würden. Wir ziehen es vor, schlecht statt gar nicht zu essen. Wir haben uns an Knappheit und Hunger gewöhnt.

Paul Goodman, 1951
Heute besteht die Tendenz, die Landschaft mit einem gänzlich neuen Unternehmensstil zu überziehen in Form von Einkaufzentren (= nationalen Supermarkt-Ketten) an den Ausfallstraßen. Dies wirkt sich auf die Gemeinden verheerend aus, denn diese »Zentren« bilden keinen Mittelpunkt der Dörfer, und bald verschwinden die Dörfer überhaupt, es gibt nur noch verstreute Wohnungen. Dies ist das Ende eines langen Auflösungsprozesses, denn in jedem Fall ist die Industrie fortgezogen, die Männer arbeiten in bis zu 40 Kilometer entfernten Betrieben. Man kann sogar in New England viele Kilometer fahren, ohne eine einzige Tätigkeit zu entdecken, von der jemand leben könnte, ausgenommen Autohäuser und Tankstellen; nicht einmal ein Lebensmittelgeschäft. Auch die Schulen sind groß und zentralisiert. Die Familien ändern häufig den Wohnsitz, aber selbst wenn sie ansässig geworden sind, fahren sie noch viel herum. Dies ist wohl kaum eine Gemeinschaft, in die man hineinwachsen kann.
Paul Goodman, 1960
Susan, Mathew und Daisy!


Das Bild hat uns freundlicherweise Jonathan Lee, Autor des Films "Paul Goodman Changed My Life" zur Verfügung gestellt.
The Drama of Awareness | Dusk | The Bisthday | The 3 Disciplines | The Cylist | The Stop Light | The Young Disciple | Faustina | Jonah | »The Cave at Machpelah« | Structure of Tragedy, after Aechylus | Structure of Tragedy, after Sophocles | Structure of Pathos, after Euripides | Little Hero, after Molière
Leute glauben, dass der allgemeine Hintergrund des modernen Lebens außerhalb unserer Einflussmacht liegt. Die Technikschwemme läuft automatisch ab und kann nicht eingedämmt werden. Die galoppierende Urbanisierung galoppiert weiter. Unsere überzentralisierte Verwaltung von Dingen wie von Menschen ist unmöglich schwerfällig und kostspielig, aber wir können sie nicht mäßigen. Dies sind unvermeidliche Tendenzen der Geschichte. […] Ich habe versucht zu zeigen, dass einige dieser historischen Bedingungen alles andere als unvermeidbar sind, sondern die Ausarbeitung einer gewollten Politik, die bestimmte Interessen betont und andere ausschließt, bestimmte Vorgehensweise subventioniert und andere verhindert. Historisch gesehen sind diese Bedingungen freilich unvermeidlich, wenn nahezu alle, einschließlich der Politiker, die sie produzieren, an ihre Unvermeidlichkeit glauben.

Paul Goodman, 1966
In wesentlichen Hinsichten machten meine homosexuellen Bedürfnisse mich zum Nigger. Am offensichtlichsten wurde das selbstverständlich an der willkürlichen Brutalität, der ich von Bürgern ebenso wie von Seiten der Polizei ausgesetzt gewesen bin; doch abgesehen davon, dass ich ab und zu zusammen geschlagen wurde, kam ich diesbezüglich einigermaßen glimpflich davon, weil ich einen guten Riecher für aufkommenden Ärger habe und normaler­weise schnell wieder auf den Beinen bin. Was mich zum Nigger macht, ist: Mir wird nicht zugebilligt, dass meine impulsiven Handlungen mein gutes Recht sind. Dann habe ich das Gefühl, dass die Straße nicht meine Straße sei. […] Allen Ginsberg und ich haben Stockley Carmichael einmal erklärt, wieso wir Nigger wären. Er aber gab uns zuckersüß zu verstehen, wir könnten unsere Neigung ja immer verbergen und kämen damit durch. Das bedeutet, er brachte uns den gleichen Mangel an Einfühlungsvermögen entgegen, der normalerweise den Umgang mit Niggern kennzeichnet; eigentlich existierten wir für ihn überhaupt nicht.

Paul Goodman, 1969